Ratgeber Morbus Basedow
Informationen für Betroffene und Interessierte
Entstehung des Morbus Basedow
Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung. Autoimmunerkrankungen sind Erkrankungen, bei denen das Immunsystem (Abwehrsystem) fehlgesteuert ist und sich gegen körpereigenes Gewebe richtet. Das Immunsystem hat die Aufgabe, den Körper vor Krankheitserregern wie Viren oder Bakterien und anderen Fremdstoffen zu schützen. So bildet es jeweils passende Antikörper gegen die körperfremden Substanzen (Antigene). In der Folge werden die körperfremden Substanzen zerstört. Das Immunsystem „merkt sich“, welche Antikörper bereits gebildet worden sind, um bei einem erneuten Kontakt schneller Antikörper bilden zu können. Dadurch verläuft eine Erkrankung schwächer oder tritt gar nicht erst zutage. Bei Autoimmunerkrankungen kommt es jedoch zu einer Verwechslung. Das Immunsystem erkennt körpereigene Zellen bzw. Gewebe nicht als „eigen“, sondern als „fremd“ und bildet Antikörper dagegen, sog. Autoantikörper. Das körpereigene Gewebe wird geschädigt oder zerstört. Unterschieden werden organspezifische und systemische Autoimmunerkrankungen bzw. Mischformen. Organspezifische Autoimmunerkrankungen betreffen nur bestimmte Organe, z. B. bei Morbus Basedow die Schilddrüse . Systemische Autoimmunerkrankungen betreffen den gesamten Körper, z. B. einige Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis.
Die Schilddrüse produziert die Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin). Die Produktion wird angeregt durch TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). TSH wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet. Die Hypophyse ist Teil des hormonellen Regelkreises und kontrolliert bzw. reguliert die Hormondrüsen des Körpers. Normalerweise besetzt das TSH der Hypophyse die Rezeptoren (Andockstellen, Empfangsstellen) der Schilddrüse, die daraufhin adäquat T3 und T4 produziert. Beim Morbus Basedow bildet das Immunsystem Antikörper, die chemisch offenbar dem TSH ähneln und nun die Rezeptoren der Schilddrüse besetzen. Diese Autoantikörper (TRAK, TSH-Rezeptor-Antikörper) stimulieren die Schilddrüse unkontrolliert und unabhängig vom hormonellen Regelkreis. Es kommt zur ungebremsten Bildung von T3 und T4 und damit zu einer Überfunktion der Schilddrüse – der Stoffwechsel wird daueraktiv. Zudem können sich die Antikörper gegen das Augenhintergrundgewebe richten und zu einer endokrinen Orbitopathie führen. Eher selten wenden sich die TRAK gegen das Gewebe in Schienbeinnähe und führen zu einem Myxödem.
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen sind bis heute nicht bekannt. Beim Morbus Basedow scheinen mehrere Faktoren eine Rolle zu spielen. Dazu gehören genetische Faktoren und zudem äußere Einflüsse, die die Entstehung eines M. Basedow begünstigen bzw. diesen auslösen können. Betroffene des M. Basedow weisen ein höheres Vorkommen bestimmter Erbmerkmale (HLA-DR3, HLA-B8) auf als Nicht-Betroffene. Ferner gibt es familiäre Häufungen. Zu den auslösenden Faktoren zählen Infektionen mit bestimmten Viren oder Bakterien, das Rauchen, Umweltgifte, eine zu hohe Jodaufnahme, z. B. durch Medikamente oder Kontrastmittelgaben, außerdem hormonelle Umstellungen, etwa durch Schwangerschaft, Geburt oder Wechseljahre. Daneben sind Stress und insbesondere emotionale Belastungen von Bedeutung.
Christa Windmüller
Weitere Artikel im Bereich Entstehung:
Entstehung des Morbus Basedow
Der Startartikel in diesem Bereich gibt Ihnen einen allgemeinen Überblick darüber, wie Morbus-Basedow entsteht.